Discussion:
Der Versuch, auf legale Weise Auszüge fremder Inhalte publizieren zu dürfen
(zu alt für eine Antwort)
Andre Bryx
2013-04-16 14:56:24 UTC
Permalink
Raw Message
Aus gegebenem Anlass (Leistungsschutzrecht) eine kleine
Anekdote, die ich vor zwei Wochen erlebt hatte:

Ich habe vor einiger Zeit einige technische Hobbyzeitschriften
aus den späten 60er Jahren erworben, in denen teilweise sehr
interessante Inhalte sind, welche sich spekulativ mit den
möglichen technischen Errungenschaften des 21 Jahrhunderts
beschäftigen, welche ich gerne Auszugsweise in einem
Ist-Vergleich auf einer privaten Webseite wiedergeben möchte.

Das Problem ist, das der ursprüngliche Verlag "A" in den 80er
Jahren den Vertrieb komplett an Verlag "B" abgegeben hat,
welcher im Jahr 2000 mit Verlag "C" Zu Verlag "D" fusioniert
ist.
Verlag "D" wurde dann einige Jahre später an Verlag "E"
verkauft, welcher zwar noch den ursprünglichen Namen von
"D" in abgewandelter Form benutzt, aber ein vollkommen
anders Sortiment pflegt.

So - Verlag "A" existiert noch, aber auf meine detailierte
Anfrage, wer nun die Rechte an der Zeitschrift hat und an
wen ich mich für eine Genehmigung bezgl. der Publikation im
Blog wenden müsste, bekam ich nur einen Textbaustein, in
dem man sich an meinem Interesse am Verlagsangebot bedankt
und mich für Nachdruckrechte und Lizenzausgaben an
Ansprechpartner "x" verweist, welcher dann nach einer
weiteren Mail erklärt, das er besagte Zeitschrift aus dem
eigenen Hause gar nicht kenne und mir daher auch nicht
weiterhelfen kann.

In einer weiteren Mail an Verlag "E", in der ich nochmal
sehr detailiert auf den Lebensweg der Verlage einging und
um einen entsprechenden Hinweis bat, wer mir nun
weiterhelfen kann, bekam ich eine sehr unpersönliche Mail
der "Rechtsabteilung", das man mir aus "internen Gründen"
nicht sagen könne, ob sie nun die Rechte an besagter
Publikationsreihe hat, mir aber schon aus formalen Grunden
den Klageweg androhten, wenn ich besagte Inhalte
unautorisiert veröffentlichen sollte.

Naja, ich habe es wenigstens versucht...
Dietz Proepper
2013-04-16 15:22:29 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Andre Bryx
In einer weiteren Mail an Verlag "E", in der ich nochmal
sehr detailiert auf den Lebensweg der Verlage einging und
um einen entsprechenden Hinweis bat, wer mir nun
weiterhelfen kann, bekam ich eine sehr unpersönliche Mail
der "Rechtsabteilung", das man mir aus "internen Gründen"
nicht sagen könne, ob sie nun die Rechte an besagter
Publikationsreihe hat, mir aber schon aus formalen Grunden
den Klageweg androhten, wenn ich besagte Inhalte
unautorisiert veröffentlichen sollte.
Tipp, was manchmal sehr gut funktioniert, ist eine telefonische Anfrage (noch
besser, auf 'ner Messe oder so, aber das ist dann ggf. schon sehr aufwändig).

Man muss ein wenig beharrlich sein, eine gute Vorbereitung ist Valentins
Buchbinder Wanninger, kann die Sachlage aber ggf. schneller auf den Punkt
bringen. Auch Dinge wie "ich würde natürlich auf die freundlicher
Unterstützung durch Ihr Haus hinweisen blahfasel" gehen am Telefon
unaufdringlicher als per mail.

Last not least - 90g-Papier kaufen und eine freundliche snail-mail-Anfrage an
die Geschäftsleitung.
Post by Andre Bryx
Naja, ich habe es wenigstens versucht...
Ack ;-)
Hans-Peter Diettrich
2013-04-17 02:21:09 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Andre Bryx
Aus gegebenem Anlass (Leistungsschutzrecht) eine kleine
[...]
Post by Andre Bryx
In einer weiteren Mail an Verlag "E", in der ich nochmal
sehr detailiert auf den Lebensweg der Verlage einging und
um einen entsprechenden Hinweis bat, wer mir nun
weiterhelfen kann, bekam ich eine sehr unpersönliche Mail
der "Rechtsabteilung", das man mir aus "internen Gründen"
nicht sagen könne, ob sie nun die Rechte an besagter
Publikationsreihe hat, mir aber schon aus formalen Grunden
den Klageweg androhten, wenn ich besagte Inhalte
unautorisiert veröffentlichen sollte.
Bellende Hunde...? ;-)

DoDi
Michael Kreienberg
2013-04-23 21:01:51 UTC
Permalink
Raw Message
Hallo,

ich bin kein Jurist und möchte keine Rechtsberatung geben, sondern einen
kleinen Einblick in die Arbeitsweise von Verlagen/Redaktionen geben.

Das Urheberrecht bleibt in Deutschland immer beim Autor, der aber
Nutzungsrechte einräumt und diese übrigens auch wieder zurückrufen kann. In
technischen Fachzeitschriften und Magazinen schreiben nicht nur die eigenen
Redakteure, sondern auch externe Autoren. Letztere können das aus privaten
Motiven oder hauptberuflich als Freiberufler tun ("freie"). Die Tätigkeit
war schon immer durch Zeitdruck gekennzeichnet.

Wenn die eigenen Redakteure Artikel schreiben, ist über den Arbeitsvertrag
geregelt, dass der Verlag unwiderruflich umfängliche und ausschließliche
Nutzungsrechte am Geschriebenen erhält. Bei externen Zeitschriftenautoren
hat der Verlag im Zweifel nur ein einfaches Nutzungsrecht und ist gar nicht
in der Position Lizenzen/Genehmigungen für Zweitverwertungen zu erteilen.
Mangels Verlagsverträgen mit jedem einzelnen Autor lässt sich das in der Tat
Jahrzehnte später schwerlich nachvollziehen. Für die Bilder im Beitrag
müsste das alles theoretisch nochmals extra geklärt werden und das ist sogar
noch schwieriger.

Und da manch Zeitschriftenjahrgang hunderte externer Autoren aufweist, wird
in der Regel auf umfangreiche Verlagsverträge für jeden einzelnen Mini-Autor
verzichtet, das wäre nämlich gar nicht zu leisten und weckt auch einen
Honoraranspruch, der in vielen Publikationen alles andere als die Regel ist.
Selbst wenn etliche Regelmeter von Verlagsverträgen aus den 1960er-Jahren
existieren sollten, decken diese auch die Nutzungsart "elektronische
Publikation" ab? (Es muss jede Nutzungsart angeführt werden, pauschales
Abtreten geht nicht.) Um das juristisch einwandfrei zu bearbeiten, wäre die
Rechtsabteilung für längere Zeit ausgelastet. Das dürften die internen
Gründe sein.

Kurzum: Beide Seiten sind in einer misslichen Lage. Für gewöhnlich regelt
man so etwas pragmatisch, hat diesmal wohl leider nicht geklappt.

Mal eine andere Frage: Wer hat denn den Artikel geschrieben? (Redakteur,
siehe Impressum der Zeitschrift, oder ein externer Autor). Geht es um die
Genehmigung für einen einzelnen Beitrag oder pauschal für den ganzen
Zeitschriftenband?

Mit freundlichen Grüßen
Michael Kreienberg

Loading...